Eine Schlüsselrolle im europäischen Vergaberecht spielt die einschlägige Richtlinie. Dies ist die „RICHTLINIE 2014/24/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 26. Februar 2014 über die öffentliche Auftragsvergabe“, in Kraft getreten im April 2016.

Sie ermöglicht es Kommunen, bei Ausschreibungen weitreichende nachhaltige Kriterien einzusetzen.

Ob sich in unserem Datenmaterial Hinweise darauf finden lassen, dass München nur auf diese Richtlinie gewartet hat, um ihre Bemühungen um eine nachhaltige Vergabe verstärken zu können? Untersucht wird  dies an Hand der Vergabestelle 1, denn nur dort überdeckt die Datenbasis einen längeren Zeitraum. Auch wenn das Datenmaterial vor dem Stichtag der Umstellung auf die neue Richtlinie lückenhaft ist, sollte doch zumindest eine qualitative Aussage möglich sein.

Es werden die relativen Anteile nachhaltiger Beschaffung gegenübergestellt: einmal während der alten Richtlinie, dann während der neuen. Zu Grunde gelegt sind alle in der Datenbasis vorhandenen Ausschreibungen, unabhängig davon, ob sie einen hohen Beschaffungswert haben (und deshalb europaweit ausgeschrieben werden) oder nicht.

Danach eine ähnliche Darstellung, in der aber nur diejenigen Ausschreibungen enthalten sind, die auf Grund ihres höheren finanziellen Volumens europaweit ausgeschrieben wurden.

In den Diagrammen sieht man stellenweise hohe Werte von 100%, die aber lediglich auf eine geringe Fallzahl zurückzuführen sind. Trotzdem kann man wohl festhalten:

  1. Der Anteil nachhaltiger Beschaffungen ab Einführung der neuen Richtlinie hat nicht zu- , sondern eher abgenommen.
  2. Der Anteil nachhaltiger Beschaffungen bei den "überschwelligen" Ausschreibungen ist höher, als bei allen Ausschreibungen insgesamt (und damit höher als bei den niedrigwertigen Ausschreibungen).